Programm

Das 8. Symposium für Informationsdesign findet statt am Freitag, 16. Oktober 2009 an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

09:00

Come together

09:30

Eröffnung und Begrüßung
Grußwort von Alexander Roos, Rektor der Hochschule der Medien, Stuttgart

Michael Burmester (Hochschule der Medien, Stuttgart)
Ralph Tille (Hochschule der Medien, Stuttgart)
Wibke Weber (Hochschule der Medien, Stuttgart)

09:45

Machen Kleider Leute?
Über den Zusammenhang von Inhalt und Form in der Infografik

Michael Stoll (Hochschule Augsburg)

10:15

Crossmediale Infografik:
Umgang mit komplexen Informationen von Print bis Web

Stefan Fichtel (KircherBurkhardt, Berlin)

10:45

PowerPoint lässt Raumfähren abstürzen, für Banken genügt die Ampelfunktion – Ideen gegen Infotainment, Datenarmut und falsche Signalkonzepte
Nicolas Bissantz (Bissantz & Company, Nürnberg)

11:15

Kaffeepause

11:30

Interaktive Informationsvisualisierung im öffentlichen Raum
Uta Hinrichs (University of Calgary)

12:00

Radical Maps: Interaktive Karten und Geovisualisierungen zur Exploration und Kommunikation von komplexen Daten in sozialen, ökonomischen und ökologischen Kontexten
Frank Heidmann (Fachhochschule Potsdam)

12:30

Reflexion 
Mittagspause* und Poster-Präsentationen im Foyer der HdM 

14:00

Interaktive Infografik in Forschung und Praxis
Remo Burkhard (ETH Zürich)

14:30

Vom gedruckten Wort zu Rich Internet Applications
Kalle Tewes (dpa-infocom, Hamburg)

15:00

Einsatz narrativer Gestaltungselemente im neuen ZDFheute Design
Heiner Butz (ZDF, Mainz)

15:30

Kaffeepause

15:45

Hören und sehen, klicken und verstehen:
Wie Nutzer mit multimodalen und interaktiven Infografiken umgehen

Peter Schumacher (Universität Trier)

16:15

Wieso geht das Licht nicht an?
Empirische Erkenntnisse zur Nutzung von interaktiven Infografiken

Marcus Mast (Hochschule der Medien, Stuttgart)

16:45

Reflexion und Ausblick: DD4D, Data Designed for Decisions
Eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit, ein Rückblick auf Paris und ein Ausblick auf Busan im Rahmen des Global Projects unter Führung der OECD.

* In der Veranstaltungsgebühr ist ein Mittagssnack enthalten.

 

Abstracts

Michael Stoll

Machen Kleider Leute?
Über den Zusammenhang von Inhalt und Form in der Infografik

Mit welchem Vorsprung eine Partei die Wahl gewinnt, wie ein Castor-Behälter von innen aussieht oder das Wetter morgen wird – um all diese Themen zu vermitteln, setzen Medien gezielt auf Infografik: In unterschiedlichsten Spielarten ist sie fester Bestandteil im Kanon journalistischer Darstellungsformen. Im Printbereich ebenso wie in den „Neuen Medien“. Doch nicht nur  Medien  setzen auf Infografik: Gebrauchsanleitungen – vom Baby bis zum Laserdrucker – erklären uns mit visuellen Mitteln abstrakte oder komplexe Zusammenhänge. Selbst in allerhöchster Not sollen wir Infografiken lesen, um unser Leben zu retten. Infografiken machen uns schneller schlauer. Oder sie unterhalten uns: Längst wird Infografik im Musik-Clip als ästhetisches Mittel eingesetzt oder von Werbetreibenden als „visueller Köder“ ausgelegt. Dieser Vortrag spürt den Bedingungen, Anforderungen, Strukturen von Infografik nach und plädiert für ihren wahren Kern, der zwischen Pragmatik, Coolness und Interaktivität verloren zu gehen scheint. Doch: Wurde dieser Kern bisher überhaupt gefunden?

top

Stefan Fichtel

Crossmediale Infografik: Umgang mit komplexen Informationen von Print bis Web

Für infografische Informationsvermittlung sind spannende Zeiten angebrochen. Mit der Kommunikationsrevolution der letzten zwei Jahrzehnte hat sich der Raum für informationsgetriebenes Design deutlich erweitert. Wer heute konsequent und erfolgreich kommunizieren will, ist auf ein klares und eindeutiges Informationsmanagement angewiesen. Zum einen sind die potenziellen Rezipienten heute wesentlich flexibler und sprunghafter in ihrer Mediennutzung geworden, denn der Anspruch an Organisation, Struktur und Unterhaltung hat sich rapide erhöht. Zum anderen hat das ausufernde Angebot an Unterhaltungs- und Informationsquellen und die explodierende technische Entwicklung im Bereich der Computergrafik den Begriff der Informationsgrafik fundamental verändert. In der chaotischen Welt des Internets bieten gerade diese eine große Chance Inhalte strukturiert und leicht zu erfassend darzustellen und sich so im Designchaos und der angesprochenen Wechselhaftigkeit der Konsumenten bestens zu behaupten. Im Vortrag soll darauf eingegangen werden, welche Voraussetzungen bei der Gestaltung von anspruchsvollen interaktiven Anwendungen gegeben sind und welche Möglichkeiten und Irrwege es durch die komplett unterschiedliche Erzählweise und Leserführung im Vergleich zu hochqualitativen Printgrafiken gibt.

top

Nicolas Bissantz

PowerPoint lässt Raumfähren abstürzen, für Banken genügt die Ampelfunktion – Ideen gegen Infotainment, Datenarmut und falsche Signalkonzepte

Der Stand der Visualisierung in deutschen Medien ist verbesserungsbedürftig. Viele Darstellungen sind nichtssagend oder irreführend. Fast alle leiden unter handwerklichen Mängeln. Gute Vorbilder aus dem Wall Street Journal oder der New York Times werden ignoriert. Dekoration geht über Information.

Auch die für die Steuerung von Unternehmen propagierten visuellen Instrumente bedürfen der Überarbeitung. Die Finanzkrise hat es anschaulich vor Augen geführt: Datenarme „Dashboards“ und die Vorstellung, Manager könnten über einfache Ampelsignale Risiken treffend beurteilen, sind gefährlich.

Das Wissen darum, wie man es besser machen kann, ist vorhanden, nur nicht verbreitet genug. Der Vortrag skizziert die Herausforderungen und wie man sie meistert.

top

Uta Hinrichs

Interaktive Informationsvisualisierung im öffentlichen Raum 

Interaktive Informationsvisualisierungen werden mehr und mehr in öffentlichen Räumen, wie zum Beispiel Museen oder Gallerien, eingesetzt. Durch sie sollen den Besuchern Inhalte und Informationen verschiedenster Art spielerisch vermittelt werden. Die Gestaltung von Informationsvisualisierungen in diesem Kontext ist eine besondere Herausforderung für Informationsdesigner, da das Publikum öffentlicher Räume sehr breit gefächert und unterschiedlich motiviert ist. Informationen werden meist weniger zielgerichtet erkundet und die Aufmerksamkeitsspanne von Besuchern ist oft nur sehr kurz. Bisher gibt es nur wenige Studien, die Aufschluss darüber geben, wie interaktive Informationsvisualisierung speziell für öffentliche Räume gestaltet werden sollte. In meinem Vortrag werde ich anhand von zwei Fallstudien erörtern, welche Faktoren das Erleben interaktiver Informationsvisualisierungen auf groβen Displays im öffentlichen Raum beeinflussen.

top

Frank Heidmann

Radical Maps: Interaktive Karten und Geovisualisierungen zur Exploration und Kommunikation von komplexen Daten in sozialen, ökonomischen und ökologischen Kontexten

Raumbezogene Informationen werden von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft in noch nie gekanntem Maße genutzt. Karten sind vom privilegierten zum Allgemeingut geworden. Ihnen kommt, in ihrer traditionellen Form und zunehmend als interaktives Medium, die wichtige Funktion zu, räumliche Strukturen in unserer komplexen Welt verständlich zu machen. Deshalb gab es noch nie so viele und vielfältige kartographische Produkte und Dienstleistungen wie heute. Diese positive Entwicklung der breiten Anerkennung des Potentials kartographischer Medien wird allerdings von einer Reihe neuer Probleme und Missbrauchsszenarien flankiert. Fehlendes kartographisches Basiswissen z.B. hinsichtlich Generalisierung, Zeichencodierung oder Legendengestaltung führt zu ernsthaften Usability-Problemen bei der Nutzung. Aber auch das formal-ästhetische Design der Karten im Web, auf mobilen Devices, interaktiven Tischen und Wänden entspricht häufig nicht den Erwartungen der Nutzer, die implizit immer stärker auch eine hohe ästhetische Qualität von Geovisualisierung erwarten.

Der Beitrag zeigt anhand aktueller Beispiele Stärken und Schwächen interaktiver Karten und Geovisualisierungen für die Exploration und Kommunikation von raumbezogenen Daten. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Interaktions- und Visualisierungsformate für die Entscheidungsfindung in gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Diskussionsprozessen sowie das Anstoßen von Wahrnehmungs- und Denkprozessen mit dem langfristigen Ziel der Verhaltensänderung vor dem Hintergrund der Metathemen Klimawandel und Nachhaltigkeit.

top

Remo Burkhard

Interaktive Infografik in Forschung und Praxis

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Auch im Business. In diesem Vortrag wird anhand von Prasixbeispielen über die Kraft von statischen und interaktiven Bildern und Infografiken gesprochen – über Prägnanz und Eleganz in der bildlichen Kommunikation. Im zweiten Teil wird das neue ETH Value Lab (www.valuelab.ethz.ch) vorgestellt. Es hat fünf grosse interaktive Touchdisplays und ermöglicht neue Formen der Präsentation, Exploration und Kommunikation in Gruppen. Nach dem Vortrag sollen die Vor- und Nachteile von interaktiven Infografiken und anderen interaktiven Visualisierungen sachlicher beurteilbar sein.

top

Kalle Tewes

Vom gedruckten Wort zu Rich Internet Applications

Die Assoziation, die sich bei Nennung des Labels „dpa“ in der Regel einstellt ist: Text – viel Text – viel gedruckter Text. Die größte deutsche Presseagentur beschäftigt sich aber nicht nur mit Wort-Inhalten: Schon seit über 50 Jahren spielt das Thema Infografik eine große Rolle in der Berichterstattung. Das Produkt Infografik ist am Markt seit langem etabliert.

Seit zehn Jahren hat die Agentur mit dpa-InfoActive auch ein animiertes/interaktives Grafik-Angebot im Portfolio. Visualisierung – sowohl in den Print- als auch in den Online-Medien – ist für die Nachrichtenmacher also ein wichtiges Thema und gewinnt zusehends an Bedeutung.

Wie bewerkstelligt die dpa den Brückenschlag von Textinhalten, über die „statische“ Infografik hin zu den neuen, interaktiven/animierten Inhalten? Wie agiert und reagiert die Agentur auf Entwicklungen am Markt? Welchen Einfluss haben diese hinsichtlich strategischer Entscheidungen für Art und Inhalt des Produkt-Portfolios? Gibt es weitere Faktoren, z.B. technische Entwicklungen, die die Ausrichtung am Markt beeinflussen?

top

Heiner Butz

Einsatz narrativer Gestaltungselemente im neuen ZDFheute Design

Fernsehnachrichten in ihrer bisherigen Machart und Struktur stehen am Scheideweg. Viele Tageszeitungen haben sich in den vergangenen 5 Jahren ebenfalls gravierend verändert. Nachrichten und Information in erweitertem Sinne werden heute in ganz anderer Art und Weise aufgenommen als noch vor wenigen Jahren. 

Klassische Nachrichten werden zunehmend on demand konsumiert und das in der Regel auf den neuen Plattformen.  Aber müssen Fernsehen und Zeitungen das Feld der Information und der Nachrichten räumen?

Information muss der Rezeptionsweise der Menschen in unserer Gesellschaft gerecht werden und auch dem jeweiligen Medium.  Lean forward werden Nachrichten im Netz abgefragt, lean backward wird konsumiert und genossen. Das neue Design der ZDFheute soll Information erzählen, soll in narrativer Weise Nachrichten vermitteln und in einem funktionalem Design darstellen.

 

top

Peter Schumacher

Hören und sehen, klicken und verstehen: Wie Nutzer mit multimodalen und interaktiven Infografiken umgehen

Im Online-Journalismus werden Darstellungsmodi wie Text, Foto, Grafik, Video und Audio zu neuen Darstellungsformen wie Audio-Slideshows oder interaktiven Infografiken verbunden. Wie gehen Nutzer mit diesen komplexen Präsentationsformen um? Antworten liefert eine Rezeptionsstudie mit Blickaufzeichnung, Verbalprotokollen und Befragungen, bei der Angebote aus Deutschland und den USA untersucht wurden. Aus den Ergebnissen lassen sich grundlegende Prinzipien ableiten, mit denen die Interaktion mit multimodalen, hypertextuellen Darstellungen beschreibbar ist. Ein zentraler Befund ist, dass die Gestaltung in hohem Maße mitbestimmt, wie Nutzer mit den Angeboten umgehen. Die operationale Ebene mit Navigationen und Steuerungen ist entscheidend dafür, ob und wie die journalistischen Inhalte erschlossen werden. Für die Praxis im Online-Journalismus lassen sich daraus Grundsätze zur nutzergerechten Umsetzung von Online-Darstellungsformen formulieren.

top

Marcus Mast

Wieso geht das Licht nicht an? -
Empirische Erkenntnisse zur Nutzung von interaktiven Infografiken

Web-Technologien wie Ajax und Flash bieten ein großes Repertoire an Gestaltungsmöglichkeiten für interaktive Infografiken. Interaktivität stellt aber auch höhere Anforderungen an die Konzeption und Gestaltung. Welche Formen der Interaktion eignen sich am besten für ein bestimmtes Informationsziel? Welche interaktiven Elemente einer Infografik werden beachtet und genutzt und welche nicht? Der Beitrag stellt erste Ergebnisse des Forschungsprojektes Informieren, visualisieren, Wissen erwerben mit interaktiven Infografiken vor, das derzeit an der Hochschule der Medien durchgeführt wird. Untersucht wurden drei Infografiken mit jeweils sehr unterschiedlichen Interaktionsformen. Der methodische Ansatz beinhaltete retrospektives, moderationsgestütztes lautes Denken, Blickbewegungsanalyse und Interviews. Anhand der Ergebnisse lassen sich interessante Hypothesen über die Auswirkung von Interaktions- und Darstellungsformen aufstellen.

top

 

© 2009 HdM – Impressum