Eine Zusammenfassung des 5. Symposiums für Informationsdesign
Über 100 Experten und Studierende besuchten das 5. Symposium für Informationsdesign an der Hochschule der Medien Stuttgart. Das diesjährige Motto des Symposiums lautete: Neue Wege der Informations- und Wissensvisualisierung.
Bereits zum fünften Mal hat der Studiengang Informationsdesign zum Symposium für Informationsdesign eingeladen. So trafen am 8. November 2006 Experten, Wissenschaftler und Studenten zusammen, um sich über neueste Entwicklungen aus dem Bereich Informations- und Wissensvisualisierung zu informieren. Das gut besuchte Symposium hatte interessante Vorträge von Vertretern aus Wissenschaft und Forschung zu bieten.
Es sprachen Carsten Waldeck (iverse), Prof. Dr. Harald Reiterer (Universität Konstanz), Dr. Remo Burkhard (ETH Zürich), Dr. Tanja Engelmann (Institut für Wissensmedien, Tübingen), Dr. Stephan Kösel (Wissensbüro Freiburg), Klaus Greiner (Büro Klaus Greiner GmbH), Dr. Danijela Djokic (FH Potsdam) und Prof. Dr. Thomas Ertl (Universität Stuttgart). Im Anschluss an die Präsentationen konnten Interessierte das Usability-Labor des Studiengangs Informationsdesign besichtigen.
Bessere Navigation für das Handy
Wer wünscht sich für den Alltag nicht manchmal eine übersichtlichere grafische Darstellung und Navigation für das kleine Handy? Prof. Dr. Harald Reiterer lehrt den Bereich Mensch-Computer Interaktion (MCI) an der Universität Konstanz. In seinem Vortrag »Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte« berichtete er über bahnbrechende technische Neuerungen auf diesem Gebiet. So sollen Handy-Displays zukünftig durch das Zoomable User Interface (ZUI) benutzerfreundlicher werden. Beim ZUI handelt es sich um einen neuartigen virtuellen Informationsraum. Mit Hilfe eines Stifts (Stylus) können die Besucher durch den Raum navigieren und Informationen an-, weg- oder rauszoomen.
Prof. Dr. Reiterer hielt fest, dass mobile Endgeräte mit großen Displays bessere Informationsvisualisierungen ermöglichen als kleinere Geräte, die durch ihre geringere Pixelanzahl bei der Darstellung von Informationen ohnehin im Nachteil sind.
Nie wieder Chaos auf der Festplatte?
Haben Sie sich auch schon darüber geärgert, dass Sie eine Datei auf dem Computer ablegen und diese nicht mehr finden? Carsten Waldeck kann helfen, dieses Problem in den Griff zu kriegen. Er ist Geschäftsführer der Firma iverse (visual knowledge interaction lab) und Dozent an der FH Darmstadt im Studiengang Media System Design. Auf dem Symposium erläuterte Carsten Waldeck die Vorzüge des Produkts »Liquid Browsing«. Mit diesem Produkt soll es zukünftig nicht mehr vorkommen, dass Dateien im »virtuellen Nirwana« landen. Dabei handelt es sich um ein innovatives Tool zur besseren optischen und inhaltlichen Gliederung von Datenmengen.
So werden Dateien, Ordner oder übergeordnete Verzeichnisse in Form von unterschiedlich großen Punkten optisch dargestellt. Die Größe der Punkte gibt Aufschluss über die Größe der Datei bzw. des Ordners. Je größer der Punkt, desto umfangreicher der Inhalt. Beim Anklicken eines einzelnen Punktes werden die anderen »unwichtigen« Punkte einfach weggedrückt. Ein weiterer Grundsatz des Tools: Punkte überlappen andere Punkte nicht. Das Programm kann für 30 Tage kostenlos getestet werden. Das Programm gibt es bisher nur für das Betriebssystem Mac OS X. Geplant ist eine Umsetzung für alle anderen gängigen Betriebsysteme.
Weitere Infos:
www.liquifile.com
Wünsche des Benutzers berücksichtigen
Kennen Sie das auch? Infografiken in Zeitschriften, die nichtssagend sind und dazu noch unübersichtlich aussehen? Bei denen man das Gefühl hat, dass der Grafiker bei der Farbwahl an Geschmacksverirrung gelitten hat? Dann sind Sie sind nicht der Einzige, der sich an so etwas stört. Beispiele für eine schlechte Informationsvisualisierung findet Dr. Remo Burkhard in der Praxis leider oft genug. Er ist Senior Researcher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und beschäftigt sich intensiv mit Informationsarchitekturen.
In seinem Vortrag »Visualize Desires, not Facts« plädierte er dafür, die Wünsche des Benutzers bei der Informationsvisualisierung in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Aneinanderreihung von nüchternen Fakten. Außerdem machte er sich dafür stark, Informationsvisualisierung nicht nur vordergründig zur Prozessoptimierung in Großkonzernen anzuwenden. Visualisierungen sollen in erster Linie dazu eingesetzt werden, drängende gesellschaftliche Themen unserer Zeit wie Energie, Gesundheit, Ageing oder Klima mehr in den Blickpunkt zu rücken.
More is not always better
Weniger ist mehr: Diesen Grundsatz gilt es auch bei komplexen Informationsvisualisierungen zu beachten, die den Wissenserwerb unterstützen sollen. Nach einer Studie von Dr. Tanja Engelmann vom Institut für Wissensmedien in Tübingen werden zweidimensionale Informationsvisualisierungen vom Menschen schneller und besser verarbeitet als dreidimensionale. Man könnte meinen, dass 3D-Darstellungen für den Betrachter attraktiver sind, doch sie belasten das Gehirn zu sehr und tragen deshalb weniger zum Lernerfolg bei. Ein weiteres Forschungsergebnis bestätigt, dass polychrome Informationsvisualisierungen zum Wissenserwerb geeigneter sind als monochrome, weil Farbe unter anderem automatisch verarbeitet wird. Wer also neue Technologien gestalten möchte, die den Wissenserwerb unterstützen, sollte diese Forschungsergebnisse beachten: Einsatz von Farbe und 2D.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – ach wirklich?
»Informationsvisualisierung ist wichtig und kann Sachverhalte anschaulicher machen – wenn sie einen Informationsmehrwert enthält«, so Klaus Greiner vom KGB (Büro Klaus Greiner GmbH). Aber nicht immer sagt ein Bild mehr als 1000 Worte. Zum Beispiel kann die Botschaft beim Rezipienten nur ankommen, wenn eine Visualisierung in Beziehung zum Kontext steht oder zielgruppengerecht gestaltet wird. Denn jeder Rezipient verfügt über andere Denkschemata und -muster, die unterschiedlich angesprochen werden müssen. Informationsvisualisierungen sollten immer dann eingesetzt werden, wenn sie die Kommunikation unterstützen. Wichtig ist, dass sie einfach, klar und deutlich sind und dezent verwendet werden. Klaus Greiner gab in seinem Vortrag einige Surf-Tipps. Es handelt sich dabei um Suchmaschinen, die visualisierte Ergebnislisten liefern. Die Suchmaschine "Kartoo" listet die Ergebnisse sogar kartografisch auf.
Suchmaschinen:
www.vivisimo.com
www.grokker.com
www.kartoo.com
Visualisierung in der Uni-Forschung
Die Gefahr der Informationsüberflutung ist heutzutage allgegenwärtig. Welche Informationen sind überflüssig und welche sind einzigartig? Prof. Dr. Thomas Ertl zeigte in seinem Vortrag »Interaktive Datenvisualisierung - Aktuelle Forschungsprojekte an der Universität Stuttgart« einzigartige Beispiele in der Datenvisualisierung. Prof. Dr. Ertl leitet das Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) an der Universität Stuttgart. Zu den derzeitigen Forschungsstudien seines Teams zählt sowohl die Entwicklung eines haptischen Webbrowsers als auch die Visualisierung von Strömungen und Visualisierungen in der Astrophysik.
Fazit
Wer sich einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse und Trends im Bereich der Informationsvisualisierung verschaffen wollte, konnte einige Anregungen mit nach Hause nehmen. Ein paar der vorgestellten Neuerungen sind momentan nur für die »Nintendo-Generation« konzipiert. Dies ist schade, denn die Generation 50+ wird dabei von der Forschung und Entwicklung kaum berücksichtigt. Doch gerade dieser wichtigen Zielgruppe sollte der Zugang zu neuen Techniken erleichtert werden. (kw/as)
Kontaktdaten
Dr. Danijela Djokic
- FH Potsdam -
www.interface.fh-potsdam.de
Dr. Tanja Engelmann
- Institut für Wissensmedien, Tübingen -
www.iwm-kmrc.de
Prof. Dr. Thomas Ertl
- Universität Stuttgart -
www.vis.uni-stuttgart.de
Klaus Greiner
- Büro Klaus Greiner GmbH -
www.kg-b.de
Dr. Stephan Kösel
- Wissensbüro Freiburg -
www.wissensbuero-freiburg.de
Dr. Remo Burkhard
- ETH Zürich -
www.sciencecity.ethz.ch
Prof. Dr. Harald Reiterer
- University of Konstanz -
www.hci.uni-konstanz.de
Carsten Waldeck
- iverse.org -
www.liquifile.info