Abstracts
Carsten Waldeck (iverse - visual knowledge interaction lab):
Liquid Browsing
Großer Überblick auf kleinen Displays. Ganz direkt in der Information wühlen wie in einer öligen Flüssigkeit. Finden in Sekundenschnelle, sogar dann, wenn ich vergessen habe, wo genau es liegt oder wie es hieß. Daten fühlen und nicht lesen, sich visuell erinnern...und dabei zum ersten mal tatsächlich Herr sein über die Struktur. Die erste wirkliche Brücke zwischen "Searching" und "Browsing", den zwei großen Welten des Wiederfindens. All das ist "Liquid Browsing".
Nach einer kurzen allgemeinen Liquid Browsing Vorstellung wird es sehr konkret: Die OSX File Management Software "Liquifile" bringt Liquid Browsing auf den Desktop und zeigt, was man schon heute davon hat und was für Interfaces wichtig ist, um skalierbar zu sein für eine zukünftige Wissenswelt.
Prof. Dr. Harald Reiterer (Universität Konstanz):
Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte
Heutige mobile Endgeräte wie PDAs, Smartphones oder TabletPCs ermöglichen, bedingt durch ihre technischen Charakteristiken (z.B. WLAN-Fähigkeit, leistungsfähige Prozessoren, hohe Auflösung der Displays), neue Anwendungsszenarien für den Einsatz von IT-Leistungen, die über das persönliche Informationsmanagement weit hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung von Außendienstmitarbeitern bei Zugriffen auf Produkt- oder Servicedatenbanken, von Konsumenten bei der Produktsuche in Webanwendungen, von Bibliotheksbenutzern bei der Suche in online Katalogen. Aus diesen neuen Anwendungsgebieten ergeben sich auch neue Herausforderungen für das Interaktionsdesign, welches vor allem aus der beschränkten Größe des berührungsempfindlichen Displays und der vorwiegenden Bedienung mittels Stylus resultieren. Vor allem durch den Einsatz geeigneter Visualisierungen können die Interaktionsmöglichkeiten für den Benutzer dramatisch verbessert werden.
Im Rahmen des Vortrages werden zuerst die besonderen Rahmenbedingungen beim Interaktionsdesign von Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte aufgezeigt und ein typisches Vorgehensmodell des Designs vorgestellt. Anschließend wird anhand eines konkreten Beispiels, nämlich einer auf einem Punktdiagramm basierenden Visualisierung namens ZUIScat, erläutert, wie durch die intelligente Kombination von neuen Interaktionstechniken mit expressiven Visualisierungen der Benutzer bei der Recherche in umfangreichen Digitalen Bibliotheken (z.B. Online Katalog der Universitätsbibliothek Konstanz) unterstützt werden kann. Durch den Einsatz von inhaltsgesteuerten Zoomtechniken sowie einer Reihe von Fokus & Kontext Techniken (z.B. Overview & Detail, Fisheye) werden einerseits den beschränkten Platzverhältnissen Rechnung getragen, andererseits wird dem Benutzer dadurch die Orientierung im oft umfassenden Datenraum erleichtert. Im Rahme von Benutzertests im Usability Labor wurden die Stärken und Schwächen der verschieden Interaktionstechniken ermittelt. Die dabei gewonnen Erkenntnisse und ein Ausblick auf aktuelle Arbeiten zu mobilen Navigationssystemen beschließen den Vortrag.
Dr. Remo Burkhard (ETH Zürich, Information Architecture):
Visualize Desires, not Facts
Wie visualisiere ich Träume, Wünsche und Emotionen? Und wie löse ich solche durch Visualisierungen aus? Solche und ähnlich Fragen bewegen mich gegenwärtig im Kontext des Forschungsschwerpunkt Knowledge Visualization. Heute sind wir gut im Abbilden und explorieren quantitativer Daten (Stichwort: Powerwall und TreeMap) oder Ursache-Wirkungszusammenhänge (Stichwort Systems Dynamics). Auch im Abbilden oder simulieren realer Objekte (Stichwort 3D print, City Engine, MRI). Aber wir wissen noch zu wenig, wie wir Gefühle, Träume, Wünsche und Emotionen abbilden oder durch Visualisierungen auslösen können. Im Vortrag wird anhand von Beispielen aus der Praxis gezeigt, wie wir für die Kommunikation komplexer Themen Visualisierungen einsetzen können, die inspirieren, Gefühle ansprechen, Träume wecken und generell den Betrachter derart fesseln, dass er oder sie brennt, die Inhalte zu erforschen.
Dr. Tanja Engelmann (Institut für Wissensmedien Tübingen):
Der Einfluss von Dimensionalität und Chromatik beim Wissenserwerb mit Informationsvisualisierungen
Informationsvisualisierungen, d.h. computerunterstützte, interaktive, räumlich-visuelle Repräsentationen abstrakter Daten, wurden bislang vor allem zur Unterstützung des visuellen Information Retrievals verwendet. Im Vortrag wird ein Projekt vorgestellt, in dem kognitionspsychologisch diskutiert und empirisch untersucht wurde, ob sich Informationsvisualisierungen auch für den Erwerb von Wissen über abstrakte Daten und Datenstrukturen eignen bzw. wie Informationsvisualisierungen - insbesondere im Hinblick auf die zwei relevanten Gestaltungsparameter Dimensionalität (2D vs. 3D) und Chromatik (monochrom vs. polychrom) - zu gestalten sind, damit sie didaktisches Potential aufweisen. Die empirischen Ergebnisse werden unter Bezugnahme auf die zentralen Komponenten des theoretischen Rahmens des Projektes dargestellt und diskutiert.
Dr. Stephan Kösel (Zentrum für Neue Lernkulturen und Systementwicklung Freiburg):
Betriebliche und individuelle Wissensarchitekturen
dreidimensional visualisieren
Wissen äußert sich in und für Situationen, Kontexte und Erwartungsstrukturen. Die Kommunikation über Wissen ist daher ein anspruchsvolles Geschäft, äußern sich doch darin subjektive, soziale und betrieblich-gewachsene Wissensarchitekturen mit einer jeweils spezifischen Sinnhaftigkeit und Eigendynamik für den Wissensträger. Die dreidimensionale chromatische Visualisierung ermöglicht einerseits einen ganzheitlichen Zugang zum eigenen (zum Teil unbewussten) Wissensprofil, erfahrungsgebundener Handlungsmuster und Lernhindernisse. In der Wissenskommunikation können durch die topologischen Wissenslandkarten topomaps® andererseits Verstehensbrücken zur Wissensdynamik der Kollegen und gemeinsame, passfähige Lernwege in den organisationalen Wissensanforderungen lokalisiert und umgesetzt werden. Anhand von Praxisbeispielen werden die konkreten Potentiale visueller Wissenskommunikation aufgezeigt.
Klaus Greiner (KGB - Büro Klaus Greiner GmbH, Köln):
Informationsvisualisierung - eine Replik aus der Praxis
Ja - Informationsvisualisierung ist wichtig und kann Dinge anschaulicher machen. Ja - zumeist gilt: ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.
In der Praxis ergeben sich teilweise andere Einsichten und teilweise die Notwendigkeit, das o.g. differenziert zu betrachten.
Aus diesem Blickwinkel sollen Einschränkungen der visuellen Leistungsfähigkeit aufgezeigt werden - sei es bei der Gestaltung, sei es bei der Wahrnehmung oder sei es bei der objektiven Aussagekraft. Visualisierung ist kein Allheilmittel, sondern erfüllt seine Funktion nur in der konkreten kontextabhängigen Einsatzform.
Danijela Djokic (FH Potsdam):
Informationsarchitektur und -visualisierung - Beispiele der
FH Potsdam
Eine kurze Vorstellung des Studiengangs Interfacedesign der FH Potsdam. Eine kurze Einführung in die Methodik und Experimente der Lehre. Anschauliche Beispiele zu den Fächern Physical Computing und Usertesting sowie zur Forschung im Interaction Design Lab. Was passiert im Kurs Informationsarchitektur und -visualisierung. Gezeigt werden Beispiele aus Grundlagen- und Hauptstudiumsprojekten.
Prof. Dr. Thomas Ertl (Universität Stuttgart VIS):
Interaktive Datenvisualisierung - Aktuelle Forschungsprojekte an der Universität Stuttgart
Eines der Hauptziele der so genannten Wissenschaftlichen Visualisierung ist die Entwicklung von Algorithmen und den ihnen zugrunde liegenden Datenmodellen, die auch bei großen Datenmengen, wie sie von zeitabhängigen 3D-Simulationen und modernen Sensoren resultieren, noch interaktive Analyse und direkte Manipulation erlauben. Diese Exploration abstrakter Datensätze ist die Grundlage für Informationsgewinnung und Wissensformierung in vielen Bereichen der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Der enormen Datenflut kann in zunehmendem Maße nur noch mit hierarchischen Ansätzen und adaptiven Verfahren sowie durch optimale Ausnutzung der Fähigkeiten aktueller Graphikhardware begegnet werden. Getrieben durch den Markt für Computerspiele zeigen Graphikkarten in den letzten Jahren Zuwächse an Leistungsfähigkeit und Funktionalität, die deutlich über das Moore'sche Gesetz hinausgehen. Ein Forschungsschwerpunkt des Instituts für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart ist der Einsatz moderner programmierbarer Graphikhardware für die interaktive Visualisierung. Der Vortrag skizziert deren Einsatzmöglichkeíten in allen Stufen der Visualisierungspipeline mit Anwendungen aus dem Bereichen Merkmalsvisualisierung von experimentellen und simulierten Strömungsdaten, Volumenvisualisierung aus unstrukturierten und komprimierten Daten sowie Hardware-beschleunigte Visualisierung mit Graphik-Clustern und für mobile Geräte.